Ein Schuss Botox für die Gesundheit

Narben, Blase, Stimme

Bis zu einhundert Patienten pro Jahr werden auf der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie mit Botox behandelt – auch hier nur nach medizinischer Indikation. Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen) oder stark juckende Narben gehören zu den häufigsten Beschwerden. Gerade was Narben angeht, ist das Klinikum Graz Vorreiter in Österreich: „In aktuellen Studien konnten wir zeigen, dass Botox die Hautzellen stimuliert und Narbenfibroblasten, die für die überschießende Narbenbildung verantwortlich sind, hemmt”, sagt AbteilungsleiterUniv.-Prof. Dr. LarsPeter Kamolz. Botox wirke sich also positiv auf die Narbenbildung aus.

Auf der Univ.-Klinik für Urologie gibt es jährlich zwischen zehn und 20 Fälle, die Botox verlangen. Klinikvorstand Univ.-Prof. Dr. Karl Pummer: „Botox gehört bei uns zwar zum Standardrepertoire, wird aber nur dann eingesetzt, wenn unsere Patienten nicht auf die orale medikamentöse Therapie ansprechen.” Das kann bei einer Überaktivität des Blasenmuskels mit und ohne Harninkontinenz sein oder auch bei einer Hypersensitivität der Harnblase (Reizblase; häufiger Harndrang bei normalem Trinkverhalten).

Auf der Hals-Nasen-Ohren-Universitätsklinik wird Botox zur Reduktion der Speichelproduktion verwendet, auch Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen können mit dem Nervengift behandelt werden. Eine der häufigsten Einsatzgebiete ist die spasmodische Dysphonie, der Sprechkrampf. Bei dieser schweren Stimmstörung ist das Sprechen für die Betroffenen sehr anstrengend, geht mit Stimmabbrüchen einher und ist außerdem mit einem stark gepressten Stimmklang verbunden. Klinikvorstand Univ.-Prof. Dr. Dietmar Thurnher: „Oft haben die Patienten bereits eine lange Suche nach Abhilfe hinter sich, bis sie zur Untersuchung in unsere Ambulanz kommen und wir ihnen durch die regelmäßigen Injektionen helfen können.” Der Griff zum Nervengift ist für Viele nämlich nach wie vor ungewöhnlich, am Klinikum Graz aber ganz normal.

Zahlen, Fakten, Daten:

Botulinumtoxin ist ein Protein, gewonnen wird es aus dem Bakterium Clostridium botulinum. Botulinumtoxin blockiert den Botenstoff Acetylcholin und sorgt dafür, dass Nerven und Muskeln nicht mehr miteinander kommunizieren können, woraufhin die Muskeln bewegungsunfähig werden. Bekanntestes Einsatzgebiet von Botox ist die ästhetische Medizin. Am LKH-Univ. Klinikum Graz wird Botox aber hauptsächlich zur Linderung von Symptomen wie etwa starke Kopfschmerzen oder bei Erkrankungen wie der Reizblase verwendet. Die Univ.-Kliniken für Neurologie, Augenheilkunde, Urologie, Kinder- und Jugendheilkunde (ein Patient mit fortschreitendem Muskelschwund), Kinder- und Jugendchirurgie (spastische Muskellähmung), HNO sowie die Klinische Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie arbeiten mit Botox-Injektionen, oft als Mittel erster Wahl.

* Botox ist der Name einer eingetragenen Marke, richtig ist: Botulinumtoxin. Der Einfachheit und Bekanntheit halber wird im Text von Botox gesprochen, gemeint ist aber immer das Nervengift im Allgemeinen.