Stent gesetzt – was nun?

Wenn ein Herzkranzgefäß sich allmählich durch arteriosklerotische Prozesse einengt, bemerkt  der Betroffene im Idealfall, dass unter körperlicher Anstrengung „Angina pectoris“ (lat.: Enge der Brust) auftritt. Körperlich aktive Menschen werden z.B beim Sport Angina pectoris verspüren, schon wenn die Einengung des Herzkranzgefässes z. B. 75% beträgt. Bei Patienten, die sich nur gering körperlich belasten , tritt Angina pectoris erst bei sehr hochgradiger Einengung des Herzkranzgefäßes z.B. bei 90% auf. In diesem Zusammenhang soll darauf hingewiesen sein, dass das Symptom Angina pectoris bei manchen Patienten – typischerweise bei langjährigen Diabetikern mit gestörter Schmerzempfindung, fehlen kann.

Bei welchen Einengungen Stents sinnvollerweise gesetzt werden hängt einerseits davon ab, an welcher Stelle des Herzkranzgefäßes sich die Einengung  befindet und wie hochgradig und damit „wie gefährlich“  sie ist, andererseits auch, ob sie dem Patienten Beschwerden verursacht.  Einengungen an sehr feinen Seitenästen mit einem Durchmesser weniger als 2mm werden beispielsweise nicht gestentet, da der kleinste Stent dzt.2,25 mm Durchmesser hat. Zudem würde das Risiko eines Eingriffes unter Umständen größer als sein Nutzen sein. Die Langzeitergebnisse nach  Stentimplantation sind umso besser, je größer der Durchmesser eines gestenteten Gefäßes ist. Sind beim Koronargefäßsystem an sehr vielen Stellen Einengungen, wird der Patient unter Umständen mit einer Bypassoperation besser beraten  sein. Liegen Einengungen vor, die sich über sehr lange Strecken des Gefäßes ziehen, ist die veränderte Gefäßwand sehr stark verkalkt, verhärtet und damit nicht aufdehnbar,  oder ist der Patient bei körperlicher Anstrengung beschwerdefrei, wird man gegebenenfalls von einer Stentimplantation Abstand nehmen.

Herz mit Koronarien und skizziertem grossen Infarktareal bei proximalem Verschluss
Herz mit Koronarien und skizziertem grossen Infarktareal bei proximalem Verschluss

Hier spricht man von sogenanntem „konservativem Vorgehen“ und meint damit neben verlässlicher Medikamenteneinnahme die konsequente Reduktion der kardialen Risikofaktoren – Rauchen, Hypercholesterinämie, Hochdruck, Diabetes, Bewegungsmangel und Übergewicht ,zusammenfassend als „Lebensstiländerung“ bezeichnet. Immer wieder gibt es Patienten, die diese dringend angeratene Lebensstiländerung nicht ernst nehmen – dies vielleicht auch mit dem Gedanken, dass etwaige neu auftretende Einengungen ja doch wieder „repariert“ werden können. Abgesehen von den hohen Kosten für eine Stentimplantation sollte man sich vor Augen halten, dass ein solcher  Eingriff an den Herzkranzgefäßen nicht an jeder Lokalisation möglich ist und immer Komplikationen mit sich bringen kann. In jedem Fall sei für Koronarpatienten oberstes Gebot, das was sie selbst zur Erhaltung der gestenteten Herzkranzgefäße dazu tun können, auch konsequent und lebenslang beizubehalten, denn Stentimplantationen sind letztendlich nur Teilreparaturen der am stärksten betroffenen Gefäßabschnitte eines insgesamt erkrankten Organsystems.

Text: OA Dr. Ursula Eherer SKA-RZ St. Radegund