Ein Schuss Botox für die Gesundheit

Landeskrankenhaus Universitätsklinikum Graz

Was wenige wissen, wovon aber viele profitieren: Botox* ist universell einsetzbar. Am LKH-Univ. Klinikum Graz wird das Nervengift sogar öfter bei Erkrankungen als für kosmetische Korrekturen injiziert.

Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox, ist verschrien. Als reines Instrument zum Faltenglätten und als der Grund, warum vor allem viele Prominente zumindest eine Zeit lang ohne Mimik durchs Leben gehen. Dabei ist Botox viel besser als sein Ruf. In gleich sieben Universitätskliniken des LKH-Univ. Klinikum Graz schwören Ärzte auf die Behandlung mit dem Nervengift. Bei ihnen gehört Botox zum Standardrepertoire, weil es ein hilfreiches Mittel ist, um eine Vielzahl von Erkrankungen und Symptomen zu therapieren. Bei ihren Patienten geht es nicht um ästhetische Korrekturen sondern um medizinische Hilfestellung. Wenn Muskeln überaktiv sind oder wenn wiederholt Krämpfe in Körperteilen auftreten – kurz: immer dann, wenn Muskeln sich nicht so verhalten, wie sie sollen – kommt das Nervengift zum Einsatz

Über 200 Mal pro Jahr greifen etwa die Ärzte der Univ.-Klinik für Neurologie zur Botox-Spritze – in einer eigenen Botox-Spezialambulanz. Bei Patienten, die unter sehr starken Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne leiden, können die Injektionen sowohl Häufigkeit als auch Intensität der Anfälle verringern. Und: „Botulinumtoxin ist bei uns Mittel erster Wahl, wenn Patienten mit einer so genannten fokalen Dystonie zu uns kommen“, sagt Ass.-Prof. Priv.Doz. Dr. Petra Schwingenschuh. „Das ist eine Bewegungsstörung, die die Feinmotorik beeinträchtigt und die zu nicht kontrollierbaren Muskelkontraktionen führt.“ Die Betroffenen leiden zum Beispiel unter einem Schreibkrampf (Verkrampfungen von Handmuskeln beim Schreiben) oder einem Blinzelkrampf (krampfhafter Verschluss der Augenlider). Die Injektion von Botox beendet diese unerwünschten Bewegungen, muss aber regelmäßig (in diesen Fällen alle drei bis vier Monate) wiederholt werden – das gilt im

Übrigen für alle Behandlungen mit dem Nervengift. Was auch immer gilt: Die Dosierung von Botox ist heikel, auch wenn die Wirkung nur vorübergehend ist. Zu viel vom Nervengift führt zu Muskellähmungen in Bereichen, die eigentlich gesund sind, woraufhin es unter anderem zu Schluckstörungen kommen kann. Weitere mögliche Nebenwirkungen je nach Anwendungsgebiet: Hämatome, trockene Augen, Schwäche in der Muskulatur. Laut Schwingenschuh werde die Therapie mit Botox aber generell gut vertragen.

Erwünschte Nebenwirkung

Auch auf der Univ.-Klinik für Augenheilkunde findet eine monatliche Botox-Ambulanz statt. Dort werden mit dem Nervengift – neben dem bereits erwähnten Lidkrampf -unwillkürliche Verkrampfungen der Gesichtsmuskulatur (Spasmen) behandelt. Eine enorme Erleichterung für die Patienten, für die die Zuckungen im Gesicht und das Gesichtverziehen sehr unangenehm sind. In vielen Fällen leidet darunter sogar das Sozialleben, erst mit Hilfe von Botox trauen sich die Betroffenen wieder unter Menschen. Ähnliches ist auch bei Patienten mit einer Überfunktion der Tränendrüse zu beobachten. Priv.-Doz. Dr. Jutta Horwath-Winter von der Augenklinik: „Unter den so genannten Krokodilstränen versteht man einen unkontrollierten einseitigen Tränenfluss bei Nahrungsaufnahme, der nach einer Gesichtslähmung auftreten kann.“ (Krokodilstränen deshalb, weil das gleiche Phänomen – weinen beim Essen -bei Krokodilen zu sehen ist.) Botox verhindert das ungewollte Tränenvergießen. In einem ganz speziellen Fall verhindert der Einsatz von Botox auf der Augenklinik sogar weitere Verletzungen: „Bei chronischen Hornhautschäden spritzen wir Botox so, dass das Oberlid absichtlich herabhängt – was wir ja normalerweise vermeiden wollen“, erzählt Priv.-Doz. Dr. Horwath-Winter. „So können wir nämlich die Augenoberfläche schützen und die Wundheilung fördern.“